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Interview mit der Medien-AG

Medien-AG

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Idee-BW In der Medien AG können Schülerinnen und Schülern technische sowie journalistische Kompetenzen im Bereich Radio und Zeitung erwerben.

"Die sind über sich hinaus gewachsen" - Interview mit der Medien-AG des Neuen Gymnasiums Stuttgart

Die Kindermedienland-Redaktion war zu Gast beim Freien Radio Stuttgart und hat der Medien-AG des Neuen Gymnasiums Stuttgart über die Schulter geschaut. Diese Medien-AG gewann beim ideeBW-Wettbewerb 2013 eine Förderung im Wert von über 4000 Euro, womit die Technik des Schülerradios aufgebessert wurde. Wir haben uns mit dem betreuenden Lehrer Michael Rollmann, Bernd Füllgrabe vom Freien Radio Stuttgart und Schüler Thomas Siurkus unterhalten.

Die Anfänge

Wie kam die Radioarbeit bei euch an der Schule zustande?

Michael Rollmann: Ich habe bereits in Nürtingen eine Radio-AG geleitet und nachdem ich an das Neue Gymnasium nach Stuttgart wechselte, kam mir die Idee, zusammen mit dem Freien Radio etwas zu machen. Als Schülerradio bzw. Pausenradio ist man ja sehr eingeschränkt. Während der Pause kann man eigentlich nur Musik laufen lassen, während längere Beiträge niemanden interessieren. Zusammen mit Herrn Gienger vom Stadtmedienzentrum Stuttgart konnten wir den Kontakt zu Herrn Füllgrabe vom Freien Radio Stuttgart aufbauen. Daraufhin haben wir einen Seminarkurs ins Leben gerufen, der sich mit Radio beschäftigt hat. Die Idee war nämlich, dass die Schüler dafür auch Noten bekommen. Das motiviert die Schülerinnen und Schüler mehr, als bei einer AG.

<i>"Ich habe hier Schüler von einer Seite kennengelernt, die ich im Unterricht niemals sehen werde." lobt Lehrer Michael Rollmann (links im Bild) die Medien-AG.</i>

Die Themen

Welches von den Schülern moderierte Thema hat euch am meisten überrascht?

Michael Rollmann: Mich hat am meisten das Interview "Verrückt, na und?" überrascht. Da ging es um eine Institution, die mit Betroffenen an Schulen geht, um über psychische Krankheiten zu reden. Da kommen also Menschen an die Schule, die selber z.B. Stimmen hören und erklären was sie haben. So lernen die Schüler für solche Erkrankungen sensibel zu sein. Eine andere tolle und lustige Sendung wurde zum Thema "Wasen" produziert. Die Musik dazu war aber unerträglich.  

Gab es im Gegenzug auch Sendungen bei denen ihr die Produzenten stoppen oder bremsen musstet?

Bernd Füllgrabe: Eine Tages kamen zwei jüngere Mädchen zu uns und wollten eine Sendung zu GZSZ machen. Da wurde ich schon langsam nervös, fragte also was sie sonst noch machen wollten. Da kam dann "Der Bachelor" (eine Kuppelshow aus dem Privatfernehen, Anm. d. Red.) als Antwort. Als die Mädchen dann zehn Minuten vor dem Mikro saßen und nicht wussten, was sie sagen sollen, musste ich die Sendung leider abbrechen. Offiziell habe ich dann von einer "technischen Störung" gesprochen. Es gab aber auch richtig tolle Sachen, wie etwa unsere Nachtsendung. Unsere Redakteure Thomas und Ferdinand haben von Mitternacht bis Freitagmorgen durchgesendet, quer durch den Garten, alle möglichen Themen.

Michael Rollmann: Einmal hatten Schüler einfach nur einen Artikel aus einer regional bekannten Tageszeitung vorgelesen. Das war weniger schön. Ich habe das erst später rausbekommen, als ich zum Bewerten der Sendung den Sprecher-Text ins Internet eingegeben habe. Da kam dann raus, dass Sie einfach nur abgeschrieben hatten.

Und welches Feedback bekommen die Schülersendungen?

Michael Rollmann: Das hängt ganz davon ab, wie die Schüler Werbung machen. Bei dem Seminarkurs lief das alles über Facebook und dementsprechend gut war der Rücklauf. Für die erste Sendung haben wir sehr viele gute Kommentare bekommen. Umgekehrt bedeutet das, dass unsere Schüler keine Hörer haben, wenn sie keine Werbung machen.

Thomas, du bist als Schüler bei den Radiosendungen dabei, welches Feedback bekommt ihr zu eurem Radioprogramm in der Schule?

Thomas Siurkus: Wir behandeln ja oft Themen aus der Politik oder aus der Geschichte. Daran sind die jüngeren Schüler nicht interessiert. Manche aus meiner Stufe hören das und viele Lehrer, die mir danach sagen, wie toll sie das finden.

Gab es auch schon Ärger für eine Sendung?

Thomas Siurkus: Von anderen nicht. Aber es gibt Sendungen für die ich mich jetzt im Nachhinein etwas schäme. Das war eine Nachtsendung, bei der wir 6 Stunden Non-Stop reden mussten.

<i>Im Gespräch mit Bernd Füllgrabe vom Freien Radio Stuttgart, Lehrer Michael Rollmann und Schüler Thomas Siurkus (v. l. n. r.).</i>

Das Engagement

Wie bist du denn zum Schülerradio gekommen?

Thomas Siurkus: In der achten Klasse bin ich ganz klassisch in die Schülerzeitung reingekommen, bei der ich heute noch aktiv bin. Als der Beschluss kam, dass die Schülerzeitung und der Seminarkurs Radio zusammengelegt werden, habe ich bei einer gemeinsamen Sendung mitgemacht. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe dann dem Bernd Füllgrabe gesagt, dass ich gerne eine eigene Sendung hätte. Seit einem halben Jahr habe ich meine eigene Sendung.

Welche Tipps kannst du angehenden Nachwuchs-Radiomachern geben?

Thomas Siurkus: Dass man auf jeden Fall in das Mikro spricht und nicht daran vorbei. Das ist ein ganz großer Anfängerfehler und das hören die Zuhörer. Weiterhin sollte man nicht so oft "Äh" sagen, was bei mir am Anfang so war. Dann sollte man sich auf Interviews intensiv vorbereiten. Wenn man nämlich dumme Fragen stellt, weil man schlecht informiert war, dann merken das die Zuhörer. Wenn der Studiogast das Gefühl bekommt, dass der Moderator sich vorbereitet hat, dann lässt sich das Gespräch auf eine höhere Ebene bringen. Dann haben alle mehr davon.

Wie sehen denn deine beruflichen Zukunftspläne aus?

Thomas Siurkus: Bisher hatte ich immer den Wunsch in den Medien zu arbeiten. Jetzt vor dem Abitur kommt aber nochmal die kritische Phase, in der man seine Wünsche und Träume überdenkt. Vielleicht geht es doch in eine andere Richtung, weil der Journalismus nicht das sicherste Berufsfeld ist. Ich überlege mir gerade, Staatswissenschaften zu studieren und dann in die Politik oder die Wirtschaft zu gehen.

Wieviel Zeit investierst du in die Radioarbeit?

Thomas Siurkus: Da muss man zwischen einer Livesendung und einer aufgezeichneten Sendung unterscheiden. Bei einer Livesendung stecke ich zwischen vier und fünf Stunden Vorbereitung rein. Ich informiere mich über die Personen oder die Organisationen, über die ich etwas sagen möchte oder mit der ich ein Interview führen werde. Ich bereite mich inhaltlich vor, indem ich mir Statistiken anschaue und andere Hintergrundinformationen. Bei einer aufgezeichneten Sendung kommt es drauf an. Ein aufgezeichnetes Interview dauert ungefähr eine Stunde. Bei einer zusammengeschnittenen Sendung kann das schon mal ein bis zwei Wochen dauern, bis sie fertig ist.

Die Voraussetzungen

Was sollte den jemand an Eigenschaften mitbringen, wenn er Radio machen will?

Bernd Füllgrabe: Ganz einfach! Die Lust, sowas zu machen, eigene Ideen und das Verständnis, das gutes Radio durchaus viel Arbeit bedeutet. Es ist sehr aufwändig, wenn man es gut machen will. Man muss aber kein Vorwissen mitbringen, da man bei uns alles lernen kann. 

<i>Thomas Siurkus geht beim Freien Radio Stuttgart mittlerweile mit einer eigenen Sendung "on air".</i>

Radioarbeit in der Schule

Was ist das tolle an der Radioarbeit für die Lehrerinnen und Lehrer?

Michael Rollmann: Ich habe hier Schüler von einer Seite kennengelernt, die ich im Unterricht niemals sehen werde. Die sind über sich hinaus gewachsen und haben ganz komplexe Dinge erklärt. Die Zeit da tiefer einzusteigen, fehlt denen im Unterricht oft. Hier beim Radio können sie mal richtig was gestalten. Die Zeit, die sie hier zur Verfügung haben, ist ja nahezu unendlich. Es war erstaunlich zu sehen, wie sich Schülerinnen und Schüler hier entwickelt haben. Einige saßen am Anfang ganz ängstlich vor dem Mikrofon und mittlerweile sind die richtig aufgeblüht.

Ihr habt ja als Medien-AG letztes Jahr beim ideeBW-Wettbewerb gewonnen. Was habt ihr denn mit dem Fördergeld gemacht?

Michael Rollmann: Wir haben vier Zoom H1-Aufnahmegeräte inklusive Koffer gekauft. So können die Schüler jederzeit was aufnehmen und schneiden. Dann haben wir noch einen Computer für Schnitt und Layout inklusive Layout-Programm gekauft.