HERE GOES INVISIBLE HEADER

Tinkertank, Makerspaces und Coding – was ist das eigentlich? Und was können Jugendliche hier lernen?

Tinkertank Mentor/-innen-Camp im Ludwigsburger Jugendhaus Villa BarRock

Tinkertank, Makerspaces und Coding – was ist das eigentlich? Und wo können Kinder und Jugendliche damit anfangen?

Plastik-Föhne zu Pistolen, Fahrräder zu Farbrollen und Regenschirme zu Rotorenblättern: Solch martialische Transformationen, die sonst nur in Hollywood-Filmen zu sehen sind, wurden im Ludwigsburger Jugendhaus „Villa BarRock“ zusammengeschraubt. Wo sonst Jugendliche anzutreffen sind, lernten angehende Mentorinnen und Mentoren die Kunst der De- und Konstruktion. Was es mit „Making“ und „Tinkern“ auf sich hat, erfahren Sie in diesem Artikel.

Vom 15. bis 16. Mai sowie vom 25. bis 27. Juni 2021 ließen sich über 20 Erwachsene zur/zum Tinkertank-Mentorin oder -Mentor ausbilden. Gefördert wurde die Schulung vom Ideenwettbewerb „idee-bw“ der Initiative Kindermedienland.

Woher hat „Tinkertank“ seinen Namen?

Das englische Verb „to tinker“ bedeutet so viel wie „basteln“ oder „tüfteln“. Deshalb nannte die Interactive Media Foundation ihre vor acht Jahren entstandene Initiative „Tinkertank“. Seit 2013 werden unter dem Namen „Tinkertank“ Workshops und Sommercamps veranstaltet, bei denen Jung und Alt zum Tüfteln angeleitet werden. Das Tinkertank-Team war mit ihrer komplett mobilen Werkstatt bereits an Schulen, Unternehmen oder Bibliotheken zu Gast. Wie das in Aktion aussieht, erfährt man in der Foto-Galerie des Tinkertank-Mentorinnen und -Mentoren-Camp. Mittlerweile ist aus dem innovativen Tüfteln unter dem Namen „Making“ ein weltweiter Trend geworden.

Wozu dienen Makerspaces bzw. was bedeutet das Maker Movement?

„Do-It-Yourself“ lautet das Motto, wenn jemand erzählt, wie er selbst Möbel repariert oder mithilfe von Papier und Kleber seine Wohnung verschönert. Das Maker Movement erweitert die Do-It-Yourself-Philosophie um den Einsatz digitaler Hilfsmittel wie Micro-Controller, 3D-Drucker und programmierbarer Interfaces. Wenn dieses „Making“ nicht nur zu Hause, sondern in fest installierten oder mobilen Werkstätten stattfindet, werden die Orte „Fablabs“ (Verkürzung des englischen „fabrication laboratory“ bzw. auf Deutsch „Fabrikationslabor“), „Offene Werkstatt“ oder eben „Makerspace“ genannt.

Wie kann „Making“ im pädagogischen Zusammenhang eingesetzt werden?

Beim handlungsorientierten Lernen oder dem sogenannten „Learning-by-Doing“ werden gleichzeitig die haptische, geistige und emotionale Ebene beim Lernenden aktiviert. Die Nutzung von Making-Elementen (Technik, Tüfteln, Programmieren) sind ideal für den Einsatz im handlungsorientierten Unterricht. Im deutschsprachigen Raum wird unter dem Begriff „pädagogisches Making“ diskutiert, wie weit das Making auch in der Schule eingesetzt werden kann. Aufgrund der aufwändigen Unterrichtsvorbereitung für das Making wird es momentan verstärkt in der außerschulischen Bildung eingesetzt.

Was können Jugendliche beim Making lernen?

Die jugendlichen „Maker programmieren neue Apps und Roboter; sie lernen, 3D-Drucker und Lasercutter zur Herstellung von Gegenständen einzusetzen; sie lernen, Schaltungen zu stecken und zu löten. Sie lernen das Werken mit Holz und anderen Materialien. Sie lernen sich in der digitalen Welt von morgen zurechtzufinden und Algorithmen, die unser Leben bestimmen, zu verstehen und zu beherrschen.“ So das Fazit von Jan Ulmer, einem der ersten Lehrkräfte, der sich aktiv für den Einsatz von Making an Schulen eingesetzt hat. Neben den technischen Fähigkeiten werden beim Making „ganz nebenbei“ die sogenannten 21st-Century-Skills vermittelt: kompetenter Umgang mit (digitaler) Technik, Kreativität, Kollaboration, Kommunikation sowie kritisches Denken.

Wie lässt sich Making mit Programmieren bzw. Coding kombinieren?

Durch den Einsatz kostengünstiger und kinderleicht zu bedienender Micro-Controller lässt sich das handwerkliche Making mit dem Programmieren bzw. Coding kombinieren. Ein gutes Beispiel dafür sind Workshops, in denen Mädchen ihre eigenen Textilien mithilfe von Dioden und Micro-Controllern zum Leuchten bringen, oder die Hackathons der Initiative Kindermedienland. Hier entstanden mithilfe von Sensoren, Bastelholz und Microcontrollern u. a. eine Pflanzenbewässerungsanlage und programmierbare Autoscooter. Die Micro-Controller müssen für den jeweiligen Zweck programmiert werden. Dazu werden sie per Kabel mit einem Laptop verbunden und mithilfe einer Programmiersoftware wie Scratch oder dem Raspbian OS programmiert. Mehr dazu im Artikel „Mikro-Controller: Wozu braucht man die eigentlich?“

Wo können Kinder und Jugendliche mit dem „Making“ anfangen?

Zahlreiche Einrichtungen in Baden-Württemberg bieten „Makerspaces“ an: u. a. Jugendhäuser, Bibliotheken, Medienzentren oder Universitäten. Medienbildnerisch aktive Einrichtungen finden Sie auf unserer Einrichtungs-Karte. Auch die Programme der Initiative Kindermedienland bieten Schulen und außerschulischen Einrichtungen Unterstützung beim „Making“ an:

101 Schulen

Schüler-Medienmentoren-Programm

Hack-To-The-Future

Um Jugendlichen und Eltern beim sinnvollen Umgang mit Medien zu unterstützen, bieten das Programm „101 Schulen“ sowie das „Schüler-Medienmentoren-Programm“ verschiedene Veranstaltungsformate an. Möglich sind auch Workshops zu den Themen „Programmieren und Robotik“.

Tinkertank gewann für sein Mentorinnen- und Mentoren-Camp eine Förderung des Ideenwettbewerbs „idee-bw“ der Initiative „Kindermedienland Baden-Württemberg“. Mit dem Förderprogramm „idee-bw“ unterstützt das „Kindermedienland“ ausgewählte Leuchtturm-Projekte, um die Medienbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Land nachhaltig zu stärken.

Kontakt

Geschäftsstelle
Kindermedienland Baden-Württemberg
Breitscheidstr. 4
70174 Stuttgart

 

Anita Ehrlich
0711 / 90715 - 348
ehrlich@mfg.de